Montag, 26. Mai 2014

Zentralanatolien, Sivas, Yildizeli

Achtung langer Bericht!
Am Samstag war nochmals Auto fahren angesagt. Vom wirklich netten Bergdorf Yusefeli, (Serdar Tascis Ahnen kommen von hier) ging es auf- laut unserer Karte- asphaltierten Nebenstraßen- durchs Gebirge Richtung Erzincan zurück. Die Straßen waren kaum 2 m breit, meist ungeteert und wegen heftiger Regenfälle die reinsten Schlammpisten, Schlaglöcher machten die Fahrt zur Slalomfahrt und die heruntergefallenen Steine, liessen nichts Gutes ahnen!! Es war schon grenzwertig ,als auch noch Baustellen hinzu kamen und wir durch Kieswerke geleitet wurden.Wir beschlossen nach der ersten Möglichkeit auf die Hauptstraße zurückzukehren, die ergab sich aber erst nach 160 km....Vor Erzincan haben wir, als gute Deutsche, an einer Tankstelle das Auto abgespritzt, um den Vermieter nicht ganz zu schocken,der hat sich das Auto kaum angeschaut und alles war "Tammam" (=in Ordnung). Die Landschaft war aber sehr schön, an einem Fluß entlang, winzige Ortschaften an Berghängen, wo man sich wieder mal fragt, wie und wovon leben die Menschen da, in immer noch 1600 m Höhe, mit langen Wintern und viel Schnee!
Nachmittags setzte wieder Regen ein und in unserem Auto war es sehr behaglich!
Am Sonntag waren wir froh, wieder auf unseren Rädern zu sitzen, hinter Erzincan haben wir das Euphrat Tal verlassen und es ging erst 9 km nahezu eben, dann 30 km bergauf, auf einen Paß mit 2160 m. Dort konnten wir kein Photo machen, da es schüttete! Weit und breit nichts zum Unterstellen und durch die Regenjacke kam es schon verdächtig feucht durch! Nach einem oder zwei Kilometern war eine Straßenmeisterei in Sicht, schnell unter das Vordach und warten, doch keine 2 Minuten später sassen wir an einem eigens eingeschalteten Radiator bei einem heißen Nescafé! Das vermeintlich leere Gebäude war besetzt und der hilfsbereite Wachhabende hat sich so nett um uns gekümmert! 15-20 Minuten später hat der Regen aufgehört, in unsere klammen Jacken geschlüpft und weiter gings, eigentlich lag heute eine Strecke von 140 km vor uns, aber es war bereits nach 12 Uhr. Weitere 10 Minuten später setzte der Regen wieder ein....in dieser Höhe ist es ganz schön kalt. Wir sind aber tapfer weiter und waren froh, daß es nicht allzu weit bergab ging. Nach 76 gefahrenen Kilometern kam eine Tankstelle, wo wir uns wieder unterstellen konnten, doch nun waren wir so naß und kalt und es war so spät, daß wir auf die Idee kamen , es mit trampen zu versuchen! Ob uns aber so naß jemand mitnimmt? Die türkische Gastfreundschaft kennt auch hier keine Grenzen, obwohl nur wenige LKWs oder Autos unterwegs sind, saßen wir bereits 10 Minuten später in einem LKW, die Räder hinten , Karl auf dem Beifahrersitz und ich im Bett des Fahrers verstaut!! Leider konnte er kein Wort "auswärts" und unser türkisch ist auch nur rudimentär vorhanden. Er fuhr jedenfalls in unsere Richtung , als wir mit bekamen, daß er sogar bis Sivas fährt, haben wir kurzerhand beschloßen, bis dorthin mitzufahren. Unterwegs gab's eine Pipi-Pause und ehe wir uns versahen, wurden wir noch mit Schokoriegel, Nüssen und Getränken versorgt, die wir auf keinen Fall bezahlen durften.
In Sivas haben wir uns herzlich verabschiedet und wir fuhren, immer noch im Regen, in die Innenstadt und zu einem tollen Hotel, daß man uns dort hereingelassen hat,ist ebenfalls der türkischen Gastfreundschaft geschuldet.
Heute morgen haben wir uns Sivas angeschaut, auch einmal eine der großen Städte an der Seidenstraße, die Seldschuken haben hier so um 1200 wunderschöne Moscheen, Medresen (Koranschulen) , Hospitäler, sogar Nervenheilanstalten erbaut, in welchen die Patienten mit Musiktherapie behandelt wurden, während man in Europa bestenfalls zur Ader gelassen wurde. Doch dann kamen die Mongolen und später die Moderne und so stehen nur noch ganz wenige Zeugen, dieser glorreichen Zeit. Ansonsten ist Sivas ein Verwaltungszentrum für einen großen Umkreis, geschäftiges Treiben überall.
So gegen 10 Uhr fuhren wir mit dem Rad weiter, die Wetterprognose war 70% Regenrisiko, das Risiko fiel so gegen 14 Uhr in Massen auf uns hernieder, so daß wir wieder unterstehen mußten - glücklicherweise in einem Ort, an einer Pide-Lokantasi = Pide ist eine Art Türkische Pizza, sehr lecker. Nach dem Essen und mehreren Tees hatte es sich so richtig schön eingeregnet, daß noch ein Gewitter dazu kam, war auch vollends egal! Mit unserem türkisch, versuchten wir herauszubekommen, ob ein Bus fährt oder ob es ein "Otel" gibt - und hier sitzen wir nun, in einer modernen Karawanserei, einer Tankstelle mit Hotel , Restaurant und Moschee. Morgen starten wir einen weiteren Verrsuch mal wieder ein paar Kilometer voran zu kommen. So ganz grobe Richtung - Schwarzes Meer !

"Unser Autole em Bergdörfle"
Yusufeli-Sivas-006

Holzhäuser-Dorf
Yusufeli-Sivas-012

Truckerbraut
Yusufeli-Sivas-025

Gökmedrese (Blaue Medrese) in Sivas
Yusufeli-Sivas-043

Freitag, 23. Mai 2014

Kars Ani

Autofahren ist auch nicht so schlecht! Man kommt schon zügiger voran und bei Gewitter ist man entschieden sicherer und trockener....
Kars liegt direkt an der armenischen Grenze, wo einst der Nabel der Welt war, die Seidenstraße ist heute der A...der Welt! Ich muß es so deutlich sagen. Die Gegend ist so bettelarm, uralte Steinhäuser mit Grasdächern, Kuhfladen, die zum Trocknen aufgestapelt sind und im Winter verheizt werden, keine geteerte Straße führt zu den Orten, Pferdewagen, Esel oder Cowboys , die riesige Rinderherden hüten , Hühner, Gänse überqueren die Hauptstraße, die ihren Namen auch nicht verdient. Eher eine Piste , die durch die endlose Steppe führt, Es sieht aus wie in der Mongolei, grünes Gras, roter Boden, die Pferde - es fehlt nur die Jurte. Die Stadt Kars war ebenfalls mal eine kleine Metropole, gehörte bis 1870 zu Russland und aus dieser Zeit sind noch Reste der feudalen Häuser übrig, dazwischen kaputte Straßen, baufällige Häuser (in Dt. wären ganze Straßenzüge gesperrt!) und Müll ohne Ende. Es sah vielleicht auch besonders trist aus, da es strark geregnet hatte und das Wasser nirgends ablief. So hüpften wir über riesige Pfützen in denen alles schwamm, ich möchte gar nicht wissen was...Als wir eine 1000 Jahre alte Kirche - jetzt Moschee besichtigten, kam ein Junge in völlig löchrigen und zu kleinen Schuhen, der Taschentücher verkaufte. Wir waren ja wirklich schon in armen, armseligen, tristen Gegenden, aber das übertraf alles!
Heute morgen sind wir zeitig los, da es bis Ani, dem Land der 1000 Kirchen 45 km auf schlechter Straße weiterging. Das ist der eigentliche Grund für die Reise mit dem Auto, Ani ist eine uralte Stadt auf einem dreieckig zulaufendem Plateau, links Armenien und Canyon und rechts Türkei und Canyon, von vorne durch eine rieseige Stadtmauer geschützt. Hier kamen alle durch, Karawanen, Mongolen, Seldschuken und Georgier ect. Stehengeblieben sind außer der Stadtmauer , einige Kirchen, die aber trotz Weltkulturerbe, dem Verfall preisgegeben sind und die erste Moschee auf türkischem Boden von 1200 (die hat ein Dächle bekommen). Beeindruckend war das war die Einzigen auf dem Gelände waren und wie diese 1000 Jahre alten Kirchen in dieser grandiosen Landschaft stehen, man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wassich vor und in ihren Mauern zugetragen hat!! Das hat die Fahrerei wirklich wettgemacht! Der Anblick drängte das Elend vom Vortag in den Hintergrund, wir kommen aber wieder mal zu der Erkenntnis , daß wir in Mitteleuropa auf einer Insel der Glückseigen leben!
Nachmittags sind wir die 45 km wieder zurück und weiter durch das Pontische Gebirge, eine unglaubliche Landschaft begleitete uns wieder, zunächst die Steppe, dann kamen Pässe mit 2300 m Höhe, doch schneefrei, Abfahrten in und durch Canyons und überall winzige Ortschaften mit Menschen, die so weit weg von unserer Vorstellung leben. Heute Abend sind wir un Yusofeli, mitten in den Bergen, angeblich ein Trekkingparadies, aber bis jetzt sind wir die einzigen Touristen hier!! Aber der Ort sieht ganz nett aus, nicht mehr ganz so bettelarm.
Bilder folgen, jetzt gehen wir erst mal zum Essen!

Ani mit Auto
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Alte Kirchen in Mengen
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...und viel Berg und Fels
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Donnerstag, 22. Mai 2014

Erzican

Nachdem wir Pülürmü gestern verlassen hatten, ging es erst mal 9 km mehr oder weniger steil bergauf, so kurz nach dem Frühstück schnauft man ganz schön. Oben waren wir völlig naßgeschwitzt, es begann zu regnen und ein kalter Wind blies dort oben so auf 2000 m Höhe! Kurz - wir zogen alles an, was wir dabei haben und schlotterten auf der 12 km langen Abfahrt, so daß wir über jeden gegenanstig froh waren! Am Talausgang auf ca 1100 m war es deutlich wärmer, wenn es auc immer noch regnete. Der Taleingang wir übrigens streng überwacht, Militär in schußsicheren Westen und MP's im Anschlag jagen einem schon ein unbehagliches Gefühl ein!
Weiter im Nieselregen fuhren wir durch das immer breiter werdende Euphrattal, auch beeindruckend durch solch "biblische" Landschaft zu radeln. In Erzincan waren wir naß genug und suchten ein Hotel, diesmal Luxus . Nach der heißen Dusche und in trockenen Kleidern, kommen auch die Lebensgeister wieder und wir planten unsere Weiterfahrt. Nach dem Wetter- Check und da es auch auf 1800 m geschneit hat, haben wir uns erst für einen Transfer mit Bus oder Zug in Richtung Osten entschieden. Da das aber alles etwas schwierig ist, keiner konnte sagen, ob für Räder Platz ist, haben wir jetzt die Luxusversion - ein Mietwagen. Das war zwar auch etwas schwierig, der Vermieter ohne englisch, wir ohne türkisch Kenntnisse, so übersetzte ein Herr aus dem Hotel . Die Räder können wir hier im Hotel lassen und so fahren wir 3 Tage lang Auto. Zuerst nach Kars, direkt an der armenischen Grenze sind 1000 Jahre alte Kirchen zu besichtigen. Dann evtl zum Schwarzen Meer und von dort über das Pontische Gebirge wieder hierher nach Erzincum. Kars liegt 1800 m hoch und es soll heute den ganzen Tag regnen, wir werden berichten!

Dienstag, 20. Mai 2014

Weiter durchs wilde Kurdistan

Ohne Worte
Pueluemuer-014

Pueluemuer-009

Heute hatten wir eine phantastische Strecke, von Tunceli ging es auf moderater Steigung durch ein Flußtal bergan, das ganze auf 65 km. Leider hatten wir starken Gegenwind, na ja man kann nicht alles haben. Die Straße war gut, wenig Verkehr und die Ausblicke süper, mal ging es durch enge Canyons mit reißendem Fluß, mal wurde das Tal ein wenig breiter und der Fluß rauschte sanft an uns vorbei. Aber immer hohe Felswände links und rechts. Nur ganz wenige Gehöfte, auch das ist Kurdengebiet und 1990 wurde von den Türken hier einige Dörfer zerstört. Das erfuhren wir bei einer kleinen Rast von dem Herrn neben Karl, der sich Bayern-Willi nennt,von hier wanderten 90 % nach Westen und viele davon nach Deutschland aus, so daß wir uns gut unterhielten. Nachdem das halbe Dorf um uns herumstand und wir den Tee unter keinen Umständen bezahlen durften, waren wir zeitlich etwas knapp und sind nur noch bis Pülümür . Hier gibt es das "Christian-Ude-Kultur-Zentrum", ja wirklich, einer seiner Kollegen stammt von hier und Ude kommt wohl gerne hierher ! Hier sind wir in einem einfachen Otel, heißes Wasser gibt es erst ab 19 Uhr, so vertreiben wir uns die Zeit in einem Internetcafé, das die Dorfjugend betreibt und aus allen Rohren Technomusik hört...!
Ausgestattet mit guten Ratschlägen uns vor den Bären, Wildschweinen und Steinböcken in acht zu nehmen, werden wir morgen weiter über die Berge nach Erzincan, das ist dann wieder Türkei - wir werden es an den Kopftüchern merken. Je größer die Stadt um so weniger Kopftücher und lange Mäntel, obwohl das Verhältnis sicher 75 mit und 25 % ohne liegt, hier im Osten jedenfalls.

Montag, 19. Mai 2014

Tunceli

Durch' s wilde Kurdistan, ich weiß nicht so genau, wo Karl May es angesiedelt hat, aber hier sieht's schon so aus. Am Euphrat entlang , der jetzt der Attatürk-Stausee ist und sich kilometerlang durch alle Täler zieht und die ganze Landschaft und das Klima verändert - ratet mal wo unsere Straße ist - richtig über alle Berge drüber!! Aber schon beeindruckend durch diese Bergwelt zu radeln, heute nachmittag hatten wir ein Gewitter im Rücken und Gegenwind von vorne, so daß wir immer an der Gewitterkante entlang radelten, wir haben uns nicht getraut eine Pause einzulegen und sind mit hängender Zunge und leerem Magen in Tunceli /kurdisch Dersim angekommen. Mitten im Nordostanatolischen Hochland, eine Kurdenhochburg, im Cafè trafen wir einen Busfahrer aus Ludwigshafen, der zur Zeit hier seine Familie besucht und das war ganz interessant. Eine große Kaserne nach der anderen ensteht, Hubschrauber , die Patrouille fliegen und völlig vergitterte Polizeiautos , versuchen die Kurden im Zaum zu halten. Seit einem Jahr herrscht wohl so etwas wie Frieden, Erdogan hat tatsächlich einige Erleichterungen eingeführt, das Verbot kurdisch zu sprechen wurde aufgehoben (viele können es inzwischen auch nicht mehr) und er hat sich für ein Massaker aus dem Jahr 1937 entschuldigt. Die Arbeits -und Verdienstmöglichkeiten sind gering, der Herr aus Ludwigshafen dagte, daß viele 400 Stunden im Monat arbeiten und auf 20 Euro am Tag kommen. Das Benzin kostet aber 1,45 Euro, deshalb fahren wir auch so entspannt auf allen Straßen!
Hier hat es unglaublich viele junge Leute, das Durchschnittsalter in der Türkei ist 28 (in DT 42!), und es wird gebaut, unvorstellbare Industriegebiete,richtige Universitäts- Städte entstehen auf der grünen Wiese, die ersten Shopping-Malls, luxuriöse Hochhäuser, uns ist nicht klar , wer sich das leisten kann, wenn man die vielen ärmlichen Dörfer unterwegs sieht, ist es uns ein Rätsel. Auch wo die Arbeitsplätze für die vielen jungen Leute herkommen sollen, die , so unsere Ansicht von außen, keine allzu gute Schulbildung genießen und z.B. kein englisch können. Fühlen wir uns manchmal schon am Ende der Welt durch einsame Berge , hundert Kilometer von der nächst größeren Stadt entfernt, dann kommt so ein handgemaltes Schild, auf dem 5 Ortschaften aufgezählt sind, zu denen es auf ungeteerter Straße noch 37 km in die Berge geht. Kommt man ohne Auto überhaupt mal aus dem Dorf? Esel oder Pferd sind nicht selten, heute fuhren einige Viehtransporter an uns vorbei, die ganze Schaf -oder Kuhherden auf die Sommeralm bringen,die Unterkünfte der Hirten haben aber weing mit dem Hütten bei uns zu tun.
Wir fallen natürlich auf,wie bunte Hunde und können gar nicht so viel Tee trinken, wie Einladungen erfolgen,dann wird immer nach dem woher und wohin gefragt, daß wir nur Rad fahren, glauben die meisten nicht. Dann erfolgen Fragen nach dem Alter, ob wir Kinder haben und was wir arbeiten, manche fragen auch, ob wir verheiratet sind. Obwohl unser Türkischwortschatz aus nur 60 Wörtern besteht, klappt die Unterhaltung meist und wie überall , glaubt man auch hier , je lauter man spricht, um so eher verstehen wir was!!
Heute Abend waren wir in einem Lokal, dessen Besitzer sogar ein wenig deutsch sprach, wir mußten weder für das Wasser noch für den Salat etwas zahlen und beim Abschied bekamen wir noch wohlriechendes Parfum in die Hände geschüttet !
Auch auf der Fähre über den Euphrat wurde unsere Frage nach dem Preis mit eine großen Handbewegung abgetan.
Wahrscheinlich denken viele, diese irren Alten , die sich nur ein Fahrrad leisten können, können wir nicht auch noch zur Kasse beten!!

Harput-Elazig-001
Aprikosenbazar in Malatya
Harput-Elazig-020
Frauenpower auf dem Acker

Samstag, 17. Mai 2014

Nemrud Dag / Malatya

Durch eine gigantische Bergwelt und mehrere Flußtäler, die wir kreuzten, und die sich in den kahlen Felsen wie Wadis in der Wüste ausmachten, erreichten wir Malatya . Allen Liebhabern von Trockenaprikosen müßte das ein Begriff sein. In einem riesigen Hochtal auf 970 m Höhe , wachsen hier unzählige Aprikosenbaüme. Die Stadt hat glitzernde Aprikosengirlanden über die Straßen gespannt und in jedem Park findet sich ein Aprikosendenkmal! Wir hatten uns über die Strecke zum Nemrud Dag kundig gemacht und den Plan mit dem Rad dahin zu gelangen begraben müssen! (4 Pässe mit je 2000m, zum Schluß Pflaster, schlechte Straßen...).in unserem Reiseführer stand, daß das Tourismusbüro eine Tour veranstaltet. So radelten wir zur angegebenen Adresse und fanden - nichts! Doch mehrere Herren mit Smartphons erbarmten sich und riefen erst jemand an der englisch kann, der Herr kam und er wiederum rief bei unserer Nummer an und ihr glaubt es kaum - 20 Minuten später waren wir in einem Hotel ganz in der Nähe und ein sehr gut englisch sprechender junger Mann , erklärte uns wie und wo die Fahrt los geht!! Das ist wirklich Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Für ca 40 Euro pro Mann/Frau fuhren wir und Davide aus Milano die 96 km auf den Berg, übernachteten in einem einfachen Hotel, bekamen Abendessen und Frühstück, sowie Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, wir wurden um 4 Uhr geweckt, ganz auf den Berg gefahren und nach dem Frühstück waren wir um 9 Uhr wieder in unserem Hotel. Dort hatten wir unsere Räder und das überzählige Gepäck zurückgelassen und wurden herzlich begrüßt, nach vielen Entschuldigungen, daß unser Zimmer noch nicht fertig sei, schickten sie uns zum Frühstück und gaben uns Bescheid, als alles gerichtet war - damit hatten wir gar nicht gerechnet, wir wollten nur unsere Tasche abstellen und später wiederkommen.
Doch nun zu einem der Höhepunkte unserer bisherigen Reise, man kennt die Photos ja , aber wenn man dann so vor den Figuten und Götterköpfen steht, das hat schon etwas! An manchen Orten spürt man das Besondere, die Austrahlung oder wie man das nennen soll! (Zum Beispiel auch bei der Keltenschanze auf der Weidacher Höhe, wenn gerade kein Flugzeug landet).
Das Schöne war, daß wir nachmittags alleine um den Grabhügel gehen konnten und die Ost- und Westterrasse in aller Ruhe auf uns wirken lassen konnten. Zum Sun-Set (das ist ja ein Muß-Event geworden, egal wo) , kamen von der Südseite des Berges Busse um Busse, zum Schluß waren mind. 300 Menschen da oben! Von Mystik und Romantik keine Spur, das selbe Spielchen heute morgen, aber wir standen ja auch dabei! Ich bekam schon Mitleid mit den Göttern, die all die Jahrhunderte in Ruhe den neuen Tag begrüßen konnten und nun vor lauter Menschen gar nichts mehr sehen!
Da wir beide ziemlich müde, nach der kurzen Nacht waren und auch etwas erkältet, schoben wir einen Ruhetag ein! Bei 31 ° haben wir das Bazarviertel und die nähere Umgebung erkundet, Orangensaft getrunken und so richtig Urlaub gemacht!
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Na, wer hat den schöneren Bart
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Blick vom Nemrud Dag in die weite ostanatolische Bergwelt

Mittwoch, 14. Mai 2014

Ostanatolien/Darende

Zunächst ganz herzlichen Dank für all die guten Wünsche und euer Interesse!
Ja, wir sind schon ganz schön weit im Osten, es gibt keinen Alkohol in Restaurants, nur in ganz versteckten Läden (die aber ganz schön frequentiert sind) , nur noch Steh-Klos ohne Toilettenpapier aber mit Wasserschäpfle (wir reisen mit 100er Pack Servietten) und im Hotel wird Karl das Rad und das Gepäck getragen, während ich zusehen kann, wie ich das schaffe!!! Da Karl mir dann hilft, ist er sicher unten durch....
Nachdem wir Göreme hinter uns gelassen haben, ging es über die üblichen Berge nach Kayseri immer den Vulkan Ercyes im Blick. Kayseri, eine Millionenstadt, die davon profitiert, daß Abdullah Gül (Staatspräsident) von dort stammt und die Stadt nun über ein gigantisches Sportstadion, Parks, Radwege (zugeparkt), Einkaufstempel (Media Markt, Deichmann, aber auch Nobellabels) und riesige neue Hochausviertel verfügt. Wir hatten ein sehr schönes Hotel in der Innenstadt und besichtigten den dortigen alten Bazar , die Karawanserei und konnten uns kaum den Offerten der Teppichhändler erwehren...Hierher kommen nicht allzuviele Touristen und schon gar nicht in kurzen Hosen!
Am nächsten Tag radelten wir weiter in Richtung Nemrut Dag, so etwa 350 km bis nach Malatya, am Fusse des Berges. Da unterwegs wenig Unterkünfte kommen , sind wir nur nach Pinarbasi (85 km) und hatten zum ersten Mal Pech mit der Unterkunft und dem Besitzer. Das Zimmer war lausig und kalt, das WC über den Gang auch lausig und kalt, das Essen lausig und kalt...kurz wir sassen um 20 Uhr in unserem kalten und völlig überteuerten Zimmer und stellten uns fast die Sinnfrage...! Heute morgen scheinte die Sonne und die Welt sah wieder viel freundlicher aus. Es war ziemlich frisch so auf 1500 m Höhe, aber Dank der unzähligen Berge wurde uns bald warm - die Landschaft , das anatolische Hochland ist unglaublich, mal sah es aus wie in der Mongolei ,grünstes Gras und rote Erde,Kuhherden, Schafherden ,kahle Berge. Je höher wir kamen um so felsiger wurde es, der erste Paß kam bei 1900 m, davor kamen aber 45 km nur Berg und Tal, kein Meter eben und Steigungen mit 7% und mehr (nur kein Mitleid), so stelle ich mir Afghanistan oder Taschkent vor. Heute kamen wir unserem Ziel nun weitere 140 km näher und waren ganz stolz auf unsere Leistung, bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch ein Radfahrer kam , der heute morgen in Kayseri gestartet ist...und die 230 km an einem Tag zurückgelegt hat. Wir haben kurz mit ihm geredet, es geht ihm nur ums radfahren, vom Land hat er eigentlich noch nichts gesehen, schade für ihn.
Kayseri-009
Kayseri Uhrturm
Kayseri-018
Im Teppichladen
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on the road again
Darende-007
eine, der wenigen Ortschaften,die unterwegs kamen
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Das ist Ostanatolien

Sonntag, 11. Mai 2014

Göreme

Die Stadt Göreme liegt tatsächlich zwischen den Tuffsäulen , die Häuser sind teils in oder um die Felsen herumgebaut. Der Anblick ist grandios! Wir haben eine Pension von deren Terasse aus man einen wunderschönen Blick auf den Ort hat. Am Samstag waren wir im sogenannten Open-air Museum, das ist Alt Göreme mit in den Fels gehauenem Kloster und Kirchen, die teils noch richtig gut erhalten sind. Das hat aber nicht nur uns interessiert , sondern ca1500 weitere Touristen, so daß man an manchen Kirchen anstehen mußte. Die sogenannte Dark Church war besonders schön bemalt und auch noch sehr gut erhalten. Am Nachmittag sind wir mit den Rädern los, kamen aber ncht weit, da ein Gewitter aufkam und wir ziemlich naß wieder in der Pension eintrafen, heiß geduscht und wieder trocken haben wir den Rest des letzten Bundesliga-Spieltages angehört - es lebe das Internet!
Am Abend haben wir uns mit Jessica und Hai getroffen und hatten einen sehr vergnügten Abend !! Vielleicht sehen wir uns am Nemrut Dagi wieder, das wärs!
Heute hatten wir Sonnenschein, im Schatten aber recht kühl und der Wind war auch wieder unser Begleiter, doch ohne Gepäck fährt es sich schon leichter...wir haben die Umgebung erkundet, sind durch weitere kleine Ortschaften, die sich mit Felsformationen rühmen. da kann man seiner Phantasie freien Lauf lassen und irgendwann sieht man Kamele, Damen, Schnecken, es hat was von Gaudi und Schlumpfhausen - meint Karl, nicht zu unrecht! Zelve, ein Felsstadt, die bis 1953 bewohnt wurde, bis es zu gefährlich wurde. An den abgebrochenen Wänden lassen sich Küchen,eine Kelterei oder eine Mühle entdecken,auch eine Kirche und eine Moschee, man lebte hier friedlich zusammen! Hier lässt sich gut sehen , wie endlich Göreme ist, aber es entstehen dafür neue Felsfiguren. In der Ferne konnte man einen der Verursacher dieser Landschaft gut sehen, den Vulkan Erciyes Dagi 3917 m hoch und schneebedeckt.
Zurück versuchten wir das Love-valley zu durchfahren, was sich aber als sehr schwierig rausstellte, es kam Sand , Matsch, steile Felsen hinauf und wieder hinunter - kurz, wir trugen und schoben das Rad mehr als wir fuhren, aber wir haben es geschafft. Seltsamerweise war in diesem schönenTal auch kaum jemand zu Fuß unterwegs, es konzentriert sich sehr auf die am besten zu erreichenden Punkte . Heute Abend waren wir mit zwei netten deutschen Mädels , die in Istanbul studieren, beim Essen, auch das ein sehr kurzweiliger Abend!
Morgen gehts weiter Richtung Osten nach Kayseri.

Goereme-3-014

Goereme-3-049

Goereme-3-051

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